Leerstelle im Gedächtnis der Stadt

Die Leerstelle am alten Haupteingang der Ostfriesischen Volksbank in Leer.

Wer in der ostfriesischen Stadt Leer von der Brunnenstraße kommend die Mühlenstraße entlanggeht, passiert den Altbau der Ostfriesichen Volksbank (OVB), ein imposantes Gebäude, das 1924 fertiggestellt wurde. Am ehemaligen Haupteingang, direkt unter dem Firmenschild, fällt ein fast gleichgroßer heller, quadratischer Fleck auf. Dübellöcher zeigen, dass dort einmal etwas angeschraubt war.

Bis vor einigen Jahren erinnerte an dieser Stelle eine Bronzetafel an einen Ereignis am Ende des Zweiten Weltkriegs in Leer. Sie trug diese Inschrift:

»Am 29. April 1945 um 4.00 Uhr wurde dieser Eingang von canadischen Truppen – den Water-Rats – im Rahmen der Kampfhandlungen um Leer gesprengt.« „Leerstelle im Gedächtnis der Stadt“ weiterlesen

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Der Himmel hängt voller Flugzeuge

himmel
Spuren des Luftverkehrs über unserer Straße.

Verdammt viel los über Ostfriesland. Der trockene Ostwind befreit den Himmel von den Wolken. Wenn dann die Sonne tief steht und nicht mehr alles überstrahlt, leuchten die Spuren der Flugzeuge auf. Die Luf ist so klar, dass man das Weiß im Auge der Piloten sehen kann. An einem solchen Abend wird aufgedeckt, wie viele Flugzeuge über uns unterwegs sind.

Gestern habe ich gegen 19.15 Uhr von unserer Straße aus zehn Flieger gezählt, die in der Abendsonne glänzten und einen weißen Strahl hinter sich herzogen. Dazu kamen die schon ausgefransten Kondensstreifen zahlreicher anderer Flugzeuge, die vor Kurzem vorbeigezogen sein müssen. In der trockenen, kalten Luft dort oben lösen sich die Wasserdampfschleier schnell auf.

Der Großteil der Flugzeuge, die man bei uns beobachten kann, verkehren in nordöstliche beziehungsweise südöstliche Richtung. Ostfriesland liegt direkt unter einigen Flugrouten. Gerade eben, sagt mir der Flugradar, hat ein Airbus A 320 auf dem Weg von Kopenhagen nach Amsterdam die ostfriesische Halbinsel überquert. Der Flug SAS 1550 nähert sich in Gegenrichtung in diesen Sekunden mit fast zwei Stunden Verspätung der Ems, und wenig später kann ich den Kondensstreifen vom Fenster sehen. Jetzt weiß ich, dass mir vor dem Bildschirm nicht nur eine Simulation vorgespielt wird.

Eine verkehsarme Gegend

Für den Flug WZZMT von Riga nach London ist es inzwischen schon zu dunkel. Im Süden passiert jetzt ein Airbus A 319-111 von Liverpool nach Berlin die Grenze zum Emsland. Vom Dollart nähert sich wieder etwas, eine Embraer ERJ-145EU auf dem Weg von Bristol nach Hamburg. Und so weiter, und so weiter. Dabei ist das hier, wenn ich mir auf dem Flugradar die Übersicht für Deutschland ansehe, eine sehr verkehrsarme Gegend.

Einige Stunden später, mitten in der Nacht, sind nur die Sterne zu sehen. Vor ein paar Minuten muss noch ein Aeroflot-Airbus in Richtung Moskau vorbeigezogen sind.

Morgens in Leer/Ostfriesland

denkmalplatz
Ich bin normalerweise nicht früh morgens in der Stadt unterwegs. Aber jetzt ist es mal passiert, und ich bin an meinem grauen Wintermorgen über den Denkmalsplatz  in Leer gelaufen. Fast menschenleer war er. So kenne ich den gar nicht. Das Denkmal wurde zur Erinnerung an die Gefallenen und die Schlachten im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 aufgestellt.

Der Blog im Jahr 2016 – ein Rückblick

In meinem Blog ist es im zurückliegenden Jahr eindeutig in die andere Richtung gegangen.
In meinem Blog ist es im zurückliegenden Jahr eindeutig in die andere Richtung gegangen.

Mein zweites vollständiges Jahr als Blogger ist vorbei, und es ist wieder Zeit für einen Rückblick. Manche Leute interessieren sich für Statistiken, der eine oder andere möchte vielleicht wissen, wie es bei der »Konkurrenz« so läuft, und mancher ist einfach nur neugierig. Für jeden ist etwas dabei.

Aber zunächst einmal sage ich: Vielen Dank allen, die ihr meine Posts gelesen, kommentiert, gelobt und kritisiert habt. Mir hat’s wieder viel Spaß gemacht.

Die Zahl des Jahres zuerst: Im vergangenen Jahr habe ich 77 Posts zu ganz unterschiedlichen Themen veröffentlichen.

Der Trend des Jahres: Gegenüber 2015 ist die Zahl der Postaufrufe um 75 Prozent gestiegen. Der Break-even-Punkt, an dem das Vorjahresergebnis eingestellt wurde, war am Abend des 31. Juli. Im Laufe des Jahres hat es einen allgemeinen Trend nach oben gegeben – mit dem Höhepunkt im Oktober bei einem Anteil von 11,2 Prozent am Jahresaufkommen (etwa drei Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt) und dem anschließenden Absturz im November und Dezember mit sechs und sieben Prozent.

kurze2016
Bis auf Mai und Dezember lagen die Monatsergebnisse immer über denen des Vorjahres.

Insgesamt war das Jahr ausgeglichen: Genau die Hälfte der Monate lag über dem Durchschnitt beziehungsweise unter dem Schnitt. Im Vorjahr war das Verhältnis 5:7. Das Diagramm zeigt, dass die Werte des Vorjahres nur zweimal unterschritten wurden und ansonsten immer deutlich darüber lagen.

Die Zahl der Besucher ist um 83 Prozent gestiegen, die Zahl der »Gefällt mir«-Angaben hat sich mehr als verdoppelt, und es gab ein Plus von 132 Prozent bei den Kommentaren.

Der Top-Post des Jahres war wieder »Wo liegt Ostfriesland?«. Das sind Top 10:

Wo liegt Ostfriesland? 23,5 %
Startseite/Archiv* 19 %
Die ostfriesischen Berge 6,7 %
Der Ostfriesland-Äquator 3,8 %
»Thez« – ein Superroman zum Abschluss 3,2 %
Erfahrungen mit BoD (und Amazon) 2,4 %
Über diesen Blog 1,9 %
Die Wappen von Leer 1,8 %
»Zeit für die Schicht« 1,4 %
So war es beim Buchmesse-Convent 2016 1,3 %

*Unter »Startseite/Archiv« fallen alle Aufrufe der Blog-Startseite und solche innerhalb des Blogs nach Kategorien oder Schlagworten.

In den Top Ten des Jahres sind überwiegend »zeitlose« Posts zu finden; nur zwei – »Thez« über den Perry-Rhodan-Roman gleichen namens und mein Bericht über den Buchmesse-Convent, ein Treffen der deutschen Phantastik-Szene – sind anlassbezogen.

Aufsteiger des Jahres

Mit dem Post »Die ostfriesischen Berge« hat es eine besondere Bewandtnis, er ist der Aufsteiger des Jahres. Am 27. Februar sendete das ZDF eine Folge ihrer »Friesland«-Krimireihe, die in der ostfriesischen Kleinstadt Leer und Umgebung spielt. In der Folge kam auch eine Dünenlandschaft vor. In Leer gibt es aber weit und breit keine Dünen (die Szenen wurden auf Norderney gedreht), was bei Zuschauern für Irritationen gesorgt haben muss. Das sorgte am Tag der Ausstrahlung für einen neuen, bis heute gültigen Tagesrekord bei den Aufrufen und hievte den Februar auf Platz 1 des All-time-Monatsrankings, übertroffenen nur noch von September und Oktober.

Mit nur sieben Aufrufen war der 21. Dezember der Floptag des Jahres, gefolgt vom 15. Juni mit neun Aufrufen.

Von den in diesem Jahr geschriebenen Post teilen sich zwei den letzten Platz. »Mehr Bücher über Columbus« und »Fröhliche Weihnachten euch allen« sind als Nieten des Jahres jeweils dreimal aufgerufen worden. Die vielen Posts, die zwei-, einmal oder gar nicht aufgerufen wurden, sind aus den Vorjahren.

Geografie und Suchmaschinen

countries2016
Menschen aus 58 Ländern haben den Blog besucht.

Im abgelaufenen Jahr ist der Blog aus 58 Ländern (40 waren es 2015) aufgerufen worden. Deutschland liegt mit einem Anteil von 87 Prozent klar vorn, gefolgt von den USA (4,3 Prozent) und Österreich (2,5 Prozent). Die Besucher kamen aus allen Kontinenten. Afrika (fünf Länder) und Asien (acht Länder) machen sich allerdings rar; in Europa fehlen das Baltikum und fast der ganze Balkan.

Für einen Blogger ist es nicht uninteressant zu wissen, wie und warum Besucher auf seine Seite gekommen sind. Die Statistik zeigt, dass der überwiegende Teil – 70 Prozent – durch eine Suchmaschine (fast immer Google & Co.) auf die »Gedankensprünge« aufmerksam wurde. Wichtig als so genannter »Referrer« war außerdem Facebook mit zirka 17 Prozent. Auf Platz 3 lag mit knapp drei Prozent der WordPress-Reader. Die Verlinkung von anderen Blogs oder Internetseiten spielte kaum eine Rolle.

Leider werden die Suchanfragen von Google verschlüsselt, so dass in der Statistik in bestimmt 90 Prozent der Fälle »unbekannter Suchbegriff« vermerkt ist. Aber aus den verbliebenen Klartext-Meldungen geht hervor, dass vor allem nach Ostfriesland und seiner Lage gesucht wurde.

Philippsburg im Morgenlicht

Das Winterwetter beschert einem sogar auf dem Weg zur Arbeit schöne Momente. Die noch tiefstehende Sonne taucht die Philippsburg im Leeraner Ortsteil Loga in ein besonderes Licht. Sie wurde 1730 im Stil des niederländischen Barock als dreiflügeliges Wohnhaus gebaut und befindet sich heute  noch immer in Privatbesitz. Das ehemalige Anwesen des Grafen von Wedel ist eine von vier Burgen in der Stadt: Die Evenburg ist ein neogotisches Wasserschloss und ist ebenso im Besitz des Landkreises Leer wie die Haneburg, deren ältesten Bauteile aus dem 16. Jahrhundert stammt. Als privates Wohnhaus genutzt wird die Harderwykenburg, ein  Wohnturm  aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es ist damit eines der ältesten erhaltenen weltlichen Gebäude in Ostfriesland.

Neues Jahrbuch des Heimatvereins Leer

So sieht das erste Jahrbuch des Heimatvereins Leer aus.
So sieht das erste Jahrbuch des Heimatvereins Leer aus.

Der Heimatverein Leer hat jetzt ein eigenes Jahrbuch. Heute lag Band 1 von »De Utmiener« in meinem Briefkasten. Unter dem gleichen Titel war bisher das Mitteilungsblatt des Vereins, der in Leer das Heimatmuseum betreibt, erschienen. Jetzt ist »De Utmiener« (was in diesem Fall so viel wie Ausrufer bedeutet) deutlich aufgewertet worden.

Auf 150 Hochglanzseiten im Din-A-5-Format mit zahlreichen Farbabbildungen werden nicht nur die üblichen Vereinsmitteilungen und Hinweise auf Veranstaltungen unter die Leute gebracht. Das Jahrbuch enthält auch fundierte inhaltliche Beiträge, etwa zu einer Ausgrabung in Leer, und glänzt mit einem Schwerpunkt über »Mennoniten in Ostfriesland«. In fünf Aufsätzen geht es um verschiedene Aspekte; einer führt sogar zu den Mennoniten nach Uruguay. Es gibt zudem Plattdeutsches und eine Rubrik zur Bewahrung alter Rezepte.

Über die Mennoniten gab es im vergangenen Jahr eine Sonderausstellung im Heimatmuseum. Derzeit wird dort eine Ausstellung mit dem Titel »Amisia« über die Ems gezeigt, die auch sehr interessant ist (wovon ich mich am Sonntag überzeugt habe).

Der neue »Utmiener« ist ein ehrgeiziges Projekt. Mal sehen, ob er sich auf Dauer in dieser Form halten kann.


Link zum Heimatverein

Faltblatt zur »Amisia«-Ausstellung

Tod am Deich

leer_drehDemnächst wird in Leer wieder ein Krimi aus der ZDF-Reihe »Friesland« gedreht, berichtet die Ostfriesen-Zeitung 🔗. Jens Jensen (Florian Lukas) und Süher Özlügül (Sophie Dal) ermitteln dieses Mal wegen einer Leiche, die bei einem Feuerwerk am Deich entdeckt wird.

Das Opfer ist eine Vogelschützerin. Das zeigt, dass die Autoren ein Gespür für Themen haben. Konflikte zwischen Naturschützern und Naturnutzern gehören in Ostfriesland seit Langem zum Alltag; allerdings leben die Vogelschützer zum Glück alle noch, so unbeliebt sie sich zuweilen auch machen.

Ich bin gespannt. Die bisherigen Folgen der etwas klamaukigen ZDF-Reihe haben mir ganz gut gefallen, und ich erwarte wieder unterhaltsame 90-Fernsehminuten. Wie seht ihr das?

Aber das wäre kein Grund, darüber etwas zu schreiben.

Vielmehr geht’s hier um meinen Blog »in eigener Sache«. Die letzte, im Februar gezeigte Folge des Krimis hatte zu einem Aufrufrekord 🔗 meines Beitrags über »Die ostfriesischen Berge« 🔗 geführt. Bei der Ausstrahlung hatte wohl für Irritationen gesorgt, dass in der Geschichte, die in Leer spielt, Dünen vorkommen. Die gibt es nämlich in Leer und Umgebung nicht. Tatsächlich wurden die Szenen auf Norderney gedreht. Weil Norderney auch für die neue Folge mit dem Titel »Irrlicht« Drehort sein wird, könnten wieder Dünen zu sehen sein. Bin gepannt, ob sich das erneut in meinem Blog niederschlägt.

Ein Sendetermin steht übrigens noch nicht fest.

Ostern am Plytenberg

Eiertrullen Mandaag
Der Plytenberg am Ostermontag

Ostermontag ist in Ostfriesland »Eiertrullende Maandag«. Diese Tradition wird seit einigen Jahren am Plytenberg 🔗 einem künstlichen Hügel am westlichen Stadtrand von Leer, auf Initiative des Heimatvereins wieder gepflegt. Dann stehen die Erwachsenen auf dem Hügel und werfen Eier runter, die von den Kindern am Fuß des Plytenbergs aufgefangen werden sollen.

Eiertrullen Mandaag
Burghardt Sonnenburg, Leiter des Heimatmuseums, beim »Eiersmieten«
Wo Ostfriesland liegt, erkläre ich hier. 🔗

Ein anderer alter Brauch ist das »Eierbicken«: Zwei Personen schlagen je ein Ei gegeneinander. Dessen Ei heile bleibt, bekommt das andere und kann es essen.

Erweitert werden diese traditionellen Formen am Plytenberg durch das »Eiersmieten« (das Ei steckt dabei in einem Strumpf und wird auf Weite geworfen) und das bekannte Eierlaufen, bei dem die Kontrahenten ein Ei auf einem Löffel balancieren müssen.

Tiefer geht es (n)immer

Freepsumer_Meer
Damit fing alles an: die tiefste Stelle der BRD am Freepsumer Meer.

Wenn es so etwas wie den merkwürdigsten geografischen Wettstreit Deutschlands gibt, dann ist es der um die tiefste Stelle. Losgetreten haben ihn Ostfriesen: Auf Anregung des des damaligen Leiters des Katasteramts Aurich, Heinrich Schumacher (der auch in die Festlegung des Ostfriesland-Äquators 🔗 verwickelt war), wurde Anfang der 1980er Jahre eine Stelle am Freepsumer Meer in der Gemeinde Krummhörn (Lage 🔗) mit 2,3 Meter unter Normalnull zum tiefsten Punkt Deutschlands erklärt. Er erhielt sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

So steht es auch auf einem Hinweisschild in der Nähe der tiefsten Stelle, die selbst nicht zugänglich ist: »Tiefster Punkt der BRD/2,30 m unter NN«. Merkwürdigerweise heißt es auf einer Internetseite der Landesregierung 🔗: »Niedersachsens tiefster Punkt liegt nahe der Nordseeküste in der ostfriesischen Gemeinde Krummhörn 2,5 Meter unter dem Meeresspiegel.« Was denn nun? „Tiefer geht es (n)immer“ weiterlesen

Im Flug erwischt

Waldspaziergang

Der Himmel war heute besonders blau, die Luft sehr trocken. Die Sicht nach oben wurde kaum behindert. Experten werden wahrscheinlich sogar den Typ des Flugzeugs, das diesen Kondensstreifen über Ostfriesland hinterlassen hat, erkennen können.

Technische Daten
Nikon D 7000
AF-S DX VR Zoom-Nikkor 18.105 f1/3.5-5.6G ED
Brennweite: 90 mm
1/250 s; f/7.1; ISO 400

Standort
Gut Stikelkamp, Samtgemeinde Hesel
N53° 20′ 5″ E7° 35′ 4″

Warnung
Es handelt sich nicht um Chemtrails, dieses Foto zeigt nur ein Flugzeug, das einen Kondensstreifen 🔗 hinter sich herzieht.