Die Mona Lisa lächelt nicht

FIX_3472
Alle wollen einen Schnappschuss der Mona Lisa machen.

Zu Ostern haben wir die Mona Lisa zu Hause besucht. Seit mehr als 450 Jahren hängt sie im Louvre in Paris ab. Dorthin wurde sie 1660 gebracht, als sie schon 160 Jahre auf dem (nicht vorhandenen) Buckel hatte. Eigentlich hieß sie Lisa Gherardini und war die Gattin von Francesco del Giocondo, weshalb sie »La Gioconda« genannt wird. Ihr Bild ist vermutlich das bekannteste Gemälde überhaupt (vermutlich habe ich wieder gestrichen; das ist mit Sicherheit so).

 

La_Gioconda
Lächelt die Mona Lisa? Ich finde, nein.

Erwartungsgemäß waren wir nicht die Einzigen, die La Gioconda die Aufwartung machen wollten. Der Louvre ist auch ihretwegen das meistbesuchte Museum der Welt. Also steht man erst in der Schlange vor dem Eingang eine gute Stunde im Regen, macht Verrenkungen, um den drohenden Krampf im linken Bein zu verhindern, und stößt dann in der Abteilung »Italienische Gemälde« auf eine Traube von Menschen, von denen die meisten ihr Smartphone hochhalten, um ein Foto von ihr zu machen. Abgesehen von der fehlenden Musik ist es ein wenig wie bei einem Popkonzert. Mona sehen wir also nur aus der Ferne.

Wer das Bild genau betrachten möchte, hat dazu im Museum keine Chance (außer man kennt den Direktor persönlich und er lässt einen dienstags oder abends rein, wenn das Museum geschlossen ist). Aber es gibt im Internet hochauflösende Reproduktionen, zum Beispiel bei Wikipedia.

Berühmt ist die Florentinerin für ihr Lächeln. Welches Lächeln? Ich habe mich schon immer gefragt, wie man auf diese Idee gekommen ist. Bei einem Lächeln sind die Mundwinkel nach oben gezogen. Das ist bei Mona allenfalls angedeutet. Sie ist vielleicht amüsiert über das Gewese, das der Künstler um sie macht, will sich das aber nicht anmerken lassen. Leonardo da Vinci muss in ihr etwas Besonderes gesehen haben, sonst hätte er das Bild nicht 1516 mitgenommen, als er auf Einladung von König Franz I. nach Frankreich ging. Dort ist er im Mai 1519 gestorben. Aus seinem Nachlass kam das Bild übrigens in den Besitz Frankreichs.


Links

La Gioconda im Louvre

SF-Filme in Berliner Museum

ttc

Science-Fictions-Fans, die in nächster Zeit in Berlin sind, kann ich den Besuch der Ausstellung »Things To Come« in der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen – empfehlen. Auf drei Etagen gibt es dort, thematisch sortiert, zahlreiche Ausschnitte, Requisiten, Storyboard-Auszüge, Modelle und mehr aus SF-Filmen und -Fernsehserien zu sehen.

Themen sind zum Beispiel der Aufbruch in den Weltraum, die Begegnung mit Aliens oder Leben in der Zukunft. Es wird gezeigt, wie diese Aspekte filmisch umgesetzt wurden und wie sich dabei die Bildsprache entwickelt hat. So gibt es beispielsweise Szenen aus zwei »Alien«-Filmen über das Erwachen der Besatzung aus dem Tiefschlaf: Während das im ersten Film noch in einer klinisch-weißen, ästhetisch ansprechenden Umgebung geschieht, sehen wir im anderen Fall eine kalte, technische Umgebung, die nichts Heimliges mehr an sich hat.

Besonderen Spaß macht es zu raten, aus welchem Film die gezeigten kurzen Ausschnitte stammen. Man muss schon ein Experte auf dem Gebiet sein, um alles herauszufinden. Weniger Kundigen helfen kleine Texttafeln neben den Monitoren.

Schade ist, dass eine Einordnung fehlt. Man erfährt nichts über die Entwicklung des SF-Films (Wer weiß schon, dass Georges Méliès Film »Le Voyage dans la Lune« – Die Reise zum Mond – von 1902 der erste international erfolgreiche Spielfilm überhaupt war?), nichts über seine gesellschaftliche Relevanz (Man denke an den ersten Fernseh-Kuss eines weißen Mannes und einer schwarzen Frau in »Star Trek«) oder seine politischen Instrumenarisierung (als Propaganda im Kalten Krieg in Ost und West). Die Ausstellung ist auf das Cineastische fokussiert und vernachlässigt diese Meta-Ebene.

Man könnte natürlich auch die Auswahl der Filme bemängeln, da wichtige Streifen wie »Metropolis« oder »Matrix« gar nicht oder nur am Rande vorkommen. Aber das kann viele Gründe haben und stört den positiven Gesamteindruck nicht.

Zur Ausstellung (bis 23. April 2017) gibt es einen Katalog. Er kostet im Museum 30 Euro, im Buchhandel 40 Euro. Das Museum im Sony-Center am Potsdamer Platz ist täglich außer montags geöffnet. »Things To Come« ist übrigens der Titel eines britischen Films von 1936.


Links

Deutsche Kinemathek – Things to come