Das letzte Mammut – gedruckt

Wooly_Mammoth-RBC CC BY-SA 2.0 Tracy O.
Die letzten Eiszeitriesen sind vor 5600 Jahren von der Bildfläche verschwunden. Bild: Tracy O. CC BY-SA 2.0

Vor 5600 Jahren sind auf der Sankt-Paul-Insel im Nordpazifik die letzten Mammuts gestorben. Diese seit Jahrtausenden isoliert lebende Population ist letztlich verdurstet: Der steigende Meeresspiegel sorgte dafür, dass die Süßwasservorräte schrumpften (Spektrum.de). Das ist der wissenschaftliche Hintergrund für meine Zeitreise-Kurzgeschichte »Das letzte Mammut«, die jetzt in der Science-Fiction-Anthologie »Meuterei auf Titan« erschienen ist. Es geht darin um einen Großwildjäger, der eine einmalige Chance bekommt.

Der Wälzer liegt schwer in der Hand.

Ich habe heute mein Belegexemplar bekommen. Mit 620 Seiten ist es ordentlicher Wälzer geworden. Ich stehe ja nicht so auf dicke Bücher, aber in diesem Fall mache ich natürlich eine Ausnahme. Schon allein deshalb, weil es meine erste Veröffentlichung als SF-Autor in einem Verlag ist.

Das Buch enthält gut zwei Dutzend Geschichten verschiedener Autoren: Galax Acheronian, Dieter Bohn, B.C. Bolt, Regine Bott, Matthias Falke, Gerd Frey, Rico Gehrke, Julia Annina Jorges, Olaf Kemmler, Oliver Koch, Christian Künne, Olaf Lahayne, Frank Lauenroth, Irene Maschke, Jacqueline Montemurri, Lara Möller, Tobias Reckermann, Sven Svenson, Janos Teleki, Peggy Weber-Gehrke sowie Adriana und Amanda Wipperling. Das hört sich nach einer guten Mischung an.

Von etwa der Hälfte der beteiligten Autoren habe ich schon etwas gelesen, einige kenne ich persönlich, andere vom Namen her; aber es sind auch ein paar Unbekannte dabei. So ist das Buch selbst für mich als Beteiligtem eine spannende Lektüre.

»Meuterei auf Titan« ist als E-Book und – ab 10. August – gedruckt erhältlich.

Prickelnde SF aus Kroatien

ziljak01Aleksandar Žiljak: Welche Farbe hat der Wind? Begedia-Verlag, Mülheim an der Ruhr, 2017. 160 S., 14,90 Euro. ISBN 978-3957770950.

Aleksandar Žiljak aus Zagreb ist der deutschen Science-Fiction-Szene in den vergangenen Jahren bereits durch einige seiner im »Nova«-Magazin veröffentlichten Kurzgeschichten aufgefallen. Eine überbordende, fast barocke Phantasie, eine poetische Sprache, Humor und ein ordentlicher Schuss Erotik zeichneten diese Storys aus.

Im Juni war Žiljak Ehrengast auf dem Eurocon in Dortmund, dem Treffen des europäischen Science-Fiction-Fans. Die Besucher hatten Gelegenheit, mit ihm in Kontakt und ins Gespräch zu kommen. Zu diesem Ereignis hatte Verleger Harald Giersche (Begedia-Verlag) frisch aus der Druckerei eine Anthologie mit sieben Kurzgeschichten des Autors aus Kroatien mitgebracht. In »Welche Farbe hat der Wind?« sind neben den drei »Nova«-Storys vier weitere enthalten (alle übersetzt von Tommi Brem und von »Nova«-Mitherausgeber Michael K. Iwoleit, dem diesjährigen Sieger des Deutschen Science-Fiction-Preises in der Kategorie »Kurzgeschichte«). Das stimmungsvolle Titelbild stammt von Christian Günther.

Eine gigantische Orgie

In Sache Erotik legt Žiljak in dieser Anthologie gleich richtig los. Auf einem fernen Planeten segeln Tagane und ihre Mannschaft auf einer Argosie, einem lebenden Schiff, in einer Art sexueller Symbiose über den Ozean. Wenn die Argosie erregt ist, fällt die Mannschaft übereinander her. Als das Schiff einem männlichen Exemplar mit seiner Mannschaft begegnet, kommt es zu einer gewaltigen Orgie. So ist es Tradition, denn »Argosies brauchen immer Kapitäne und Seeleute«.

ziljak02
Aleksandar Žiljak beim Euro-Con in Dortmund.

Nicht weniger prickelnd geht es in der Story »Die Orgon-Ära« (erschien erstmals auf Deutsch in »Nova 21«) zu. Das ist eine spektakuläre Satire über den Beginn des Raumfahrtzeitalters. Der Sowjetunion gelingt es, mit der Orgonenergie, die beim Orgasmus freigesetzt wird, nicht nur, den Wettlauf zum Mond gegen die USA locken zu gewinnen, sondern sogar Raumschiffe mit Überlichtgeschwindigkeit fliegen zu lassen. Was für eine Idee!

Die Beziehung zwischen Mann und Frau – um es einmal neutral auszudrücken, denn es wird in Žiljaks Geschichten nicht immer gevögelt – stehen im Mittelpunkt (fast) aller Geschichten. Selbst in »Die Toten« entzündet sich der Aufstand der Zombies, die in einer Art KZ Handys zusammensetzen, weil sich einer von ihnen in ein Mädchen verliebt. Wichtige Rollen spielen aber auch das Meer (in »Die Argosie« und »Ultramarine!«) und Saurier (in »Fußspuren am Strand« und »Welche Farbe hat der Wind?«). Und ein bisschen voyeuristischer Cyperpunk (in »Ein Abend im City Café, in Gedanken bei Lydia…) ist auch dabei. Lydia ist übrigens eine Edelnutte mit Kundschaft aus der ganzen Galaxis.

Er ist einer der Besten

Keine Frage, »Welche Farbe hat der Wind?« ist ein Buch, dass jeder SF-Fan gelesen haben sollte. Aleksandar Žiljak ist einer der besten unter den (europäischen) SF-Autoren. In seiner Heimat ist er deshalb schon mehrfach ausgezeichnet worden.

Dabei ist er von Haus aus Informatiker und arbeitet als freischaffender Illustrator, spezialisiert auf Wildtiere. Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift »Ubiq« für Science-Fiction und phantastische Literatur, in der Texte von Autoren aus Kroatien und anderen Ländern des ehemaligen Jugoslawien erscheinen.

  • Nur direkt beim Begedia-Verlag gibt es die Anthologie in der gleichen Aufmachung auf Englisch. Leider fehlen auf der Internetseite des Verlages weitere Angaben dazu.
  • Wer Kroatisch kann oder sich dem Google-Übersetzer anvertrauen möchte, erhält in diesem Blog Information über die Zeitschrift »Ubik«.

Perry Rhodan trinkt Kölsch

537

Die 2. Perry-Rhodan-Tage in Osnabrück haben mir zu einer weiteren Premiere in meiner erst kurzen »Schriftstellerkarriere« verholfen: Zum ersten Mal ist eine Kurzgeschichte von mir in einem Conbuch erschienen (für Outsider: Conbuch werden die aus Anlass eines Science-Fiction-Treffens vom Veranstalter herausgegebenen Büchlein genannt, die jeder Teilnehmer bekommt).

536Die Geschichte trägt den Titel »Die Helden meiner Jugend«. Sie spielt nicht, wie viele andere Fan-Storys, in der Serienwelt, dem Perryversum, sondern im Universum der Heftromane: Perry Rhodan trinkt Kölsch und trifft auf andere literarische »Helden meiner Jugend« – Ren Dhark, Nick den Raumfahrer, Flash Gordon und Buck Rogers. Es gibt eine Reihe von Anspielungen auf SF-Serien und das Fandom. Meine Frau hat mehrmals laut gelacht und gegrinst, als sie die Geschichte gelesen hat. Also muss sie ganz lustig sein.

Das Conbuch zu den 2. Perry-Rhodan-Tagen Osnabrück hat 68 Seiten im A5-Format und kann bei der Perry-Rhodan-Fanzentrale, dem Veranstalter, bestellt werden (online im Space Shop). Es kostet sieben Euro. Mitglieder der Fanzentrale bekommen es billiger, für vier Euro. Enthalten sind außer meiner Geschichte zwei weitere Kurzgeschichten von Alexandra Trinley und Christina Hacker und neun Sachartikel rund um die Serie.

Immer wieder Perry Rhodan – in Osnabrück

FIX_4354
Wim Vandemaan – allein auf weiter Bühne.

Am vergangenen Wochenende (27. & 28. Mai 2017) war ich in Osnabrück bei den 2. Perry-Rhodan-Tage, organisiert von der Perry-Rhodan-Fanzentrale. Wie vor zwei Jahren zur Premiere war der Exposé-Autor der Science-Fiction-Serie, Wim Vandemaan, gekommen und gestaltete einen Programmpunkt (hier nachzulesen). Ich war erneut erstaunt darüber, wie tief Wim, der im wahren Leben Hartmut Kasper heißt, in die Serie eingetaucht ist, welche Verbindungen er herstellt und welche Einsichten er vermitteln kann, auf die man alleine nie kommt. Als PR-Leser sollte man sich die Chance nicht entgehen lassen, Wim Vandemaan zuzuhören.

Ich habe in der gut einen Stunde, die er mit reichlich Stoff füllte, eine Reihe von Zitaten für alle, die nicht dabei sein konnten, notiert, die ich hier unkommentiert wiedergebe. Manche erschließen sich von selbst, manches ist kryptisch, wenn man den Zusammenhang nicht kennt.

  • Ideen werden überschätzt.
  • Das große Interesse der Leser gilt den Figuren.
  • Es gibt so etwas wie einen Rhodan-Sound.
  • In 3000 Jahren wird es keine bösen Chefs geben.
  • Melodien erkennt man erst, wenn sie sich wiederholen.
  • Alaska Saedelaere stand nicht im Expose. Er war Spieler in einer belgischen Fußballmannschaft.
  • Es erwartet ja niemand hier, dass ich erzähle, was in Band 3000 steht, oder?
  • Die Leser haben Wanderer in die Serie zurückgeholt.
  • Bei den Spekulationen der Leser sind auch richtige Lösungen.
  • Auch andere Leute – Autoren und Leser – haben gute Einfälle. Es wäre ein Fehler, sie nicht zu nutzen.
  • Die Kritik der Leser betrifft einen Zustand, den wir seit 20 Heften hinter uns gelassen haben.
  • Ich stelle mir vor, ich bin kleiner Lare und gehe in die Laren-Schule…
  • Wir gehen nicht in jedes Zimmer des Perry-Rhodan-Hauses.
  • Ich fand die Serie immer dann schwach, wenn eine Figur eine andere ist, und am Ende ist es immer Roi Danton.
  • Wir haben Gucky auf keiner Todesliste.
  • Wir finden SF nicht bei den Kochbüchern oder im Baumarkt. Sie ist ein fantastisches Genre.
  • Rhodan darf nicht zu einem Museum seiner selbst verkommen.
  • Die Scherung ist ein Ereignis, dass es in diesem Universum noch nicht gab.
  • Ich bin ein erklärter Freund von Imperator Dabrifa.

Einen ausführlichen Post über die PR-Tage für den Blog werde ich vorerst nicht schreiben. Es wird ein Artikel in der nächsten SOL, der Mitgliederzeitschrift der Perry-Rhodan-Fanzentrale, erscheinen. Wenn der fertig ist, werde ich sehen, ob noch was übrig ist.


Aber es gibt in der Galerie schon mal ein paar optische Eindrücke.

SF-Autoren, schreibt für »Spektrum«! 

future

Das Juni-Heft von »Spektrum der Wissenschaft« ist erschienen – mit einer Kurzgeschichte von Uwe Hermann in der Rubrik »Futur III«. »Das Internet der Dinge« ist die fünfte deutsche SF-Story in dem Wissenschaftsmagazin. Außer Uwe Hermann wurden Storys von Norbert Stöbe, Karsten Kruschel und Thorsten Küper veröffentlicht, immer im Wechsel mit Übersetzungen aus dem Amerikanischen.

Als derjenige, der der deutschen Science-Fiction den Weg in »Spektrum« durch einen Brief an den Chefredakteur bereitet hat (darüber habe ich hier und hier geschrieben), rufe ich die Autoren auf: Schreibt Kurzgeschichten für »Spektrum«! Zeigt, was ihr draufhabt, und überlasst das Feld nicht anderen. Enttäuscht mich nicht. Ich möchte auch im Juli, September, November usw. deutsche SF in »Spektrum« lesen und bin gerne bereit, den Kontakt herzustellen (man kann aber auch einfach ins Impressum schauen; ich habe damals nichts anderes getan).

Damit es nicht zu Missverständnissen kommt: Meine einzige Beziehung zu »Spektrum der Wissenschaft« ist die eines Abonnenten. Ich habe nichts davon, wenn das Magazin deutsche SF veröffentlicht. Bisher hat mir noch nicht einmal einer der Autoren einen ausgegeben. Dazu besteht übrigens am 16. und 17. Juni beim U-Con, dem europäischen SF-Treffen in Dortmund, Gelegenheit.


„Spektrum der Wissenschaft“ gibt’s in jedem gut sortieren Zeitungskiosk und online.

Lesenswert: Andromeda-Nachrichten 257

Das Titelbild „Futuristic Toy“ ist von Andreas Schwietzke.

ANDROMEDA NACHRICHTEN 257
SFCD e.V., Murnau, April 2017, 116 Seiten A4, EUR 8,00.
Bezug: SFCD-Archiv, archiv[at]sfcd.eu

Gestern sind die neuen Andromeda-Nachrichten, die Mitgliederzeitschrift des Science-Fiction-Clubs Deutschland (SFCD), in meinem Briefkasten gelandet. Normalerweise blättere ich das Heft einmal durch, um zu sehen, was so alles drinsteht, lege es aber dann erst einmal zur Seite – auf den Stapel ungelesener Zeitschriften (STUZ).

Diesmal nicht: Ich blieb gleich bei dem Interview hängen, das SFCD-Vorsitzender Thomas Recktenwald mit Gerhard Müller geführt hat. Schon die Überschrift hat mich gelockt: »Sechs Jahrzehnte im Fandom oder: Von Walter Ernstings Kühlschrank zum umgebauten Besenschrank«. Gerhard Müller ist 80 Jahre alt und seit dem 1. Januar 1957 Mitglied im SFCD. Und er hat ein Talent zum Erzählen. Das Interview gibt Einblicke in die Frühzeit des deutschen SF-Fandoms, erzählt von Besuchen bei Walter Ernsting alias Clark Darlton und bringt uns einen Büchernarr nahe, der 45.000 Bücher in seiner 64-Quadratmeter-Wohnung in München beherbergt. Aufgelockert wird der Text mit Schwarzweiß-Fotos von Cons aus den 1950er Jahren und Besuchen bei Walter Ernsting. Ich habe selten einen so interessanten Beitrag in der AN gelesen.

Jürgen Lautner auf dem BuCon 2016

Weil ich gerade im Leseschwung war, habe ich Jürgen Lautners Bericht über den BuCon 2016 gleich hinterhergeschoben. Jürgen ist (bekanntlich) ein sehr fleißiger Con-Besucher und hält seine Besuche in Wort und Bild fest. Seine Betrachtung unter dem Titel »Das einzige Beständige ist der Wandel« ist eine launige, flott geschriebene Abrechnung mit dem Con-Betrieb in Dreieich. Die Überschrift trifft es aber nicht ganz. Der Kernsatz seines Berichts lautet nämlich: »Der Vorteil solcher Events ist, dass der Besucher weiß, was ihn erwartet. Der Nachteil: Der Besucher weiß, was ihn erwartet.« So ist das auch, weiß ich aus eigener Anschauung.

Wer ist Carl Grunert?

Der weitere Inhalt der AN lockt mich nicht so stark. Steampunk interessiert mich nicht, Game- und Filmbesprechungen lese ich auch sonst fast nie, und die unvermeindliche Perry-Rhodan-Besprechung von Robert Hector ist mir zu ausufernd (und eine Bleiwüste). Hängengeblieben bin ich allerdings beim Fanzinekurier. Dort habe ich in der Besprechung der Story-Sammlung »Gegen unendlich 11« (ich liebe Kurzgeschichten) einen Hinweis auf das Werk von Carl Grunert, einem SF-Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts, gefunden. Das hört sich spannend an, da werde ich am Ball bleiben. Die Buchbesprechungen im »Reißwolf« werde ich mir in den nächsten Tagen vornehmen, das sind zum Glück erfreulich kurze Texte.

Also, die Lektüre der AN 257 lohnt sich. Dass einen Leser nicht alles gleichermaßen interessiert, ist ohnehin klar. Aber auf den 116 Seiten sollte jeder SF-Fan etwas finden.

Das Heft gibt es kostenlos zum Download (gezipte PDF-Datei, 54 MB). Darin sind alle Abbildungen in Farbe.

Meuterei auf Titan – jetzt bestellen

cover_titanDie SF-Anthologie »Meuterei auf Titan« mit einer Zeitreise-Kurzgeschichte von mir kann jetzt als E-Book (VÖ: 30.7.) vorbestellt werden. Die Printausgabe erscheint im Herbst.

Zusätzliche Infos gibt es in diesem Blogpost von mir.

Das ist der erste Satz aus meiner Geschichte, deren Titel ich noch nicht verrate:

»Nun, wie hat Ihnen die Nilpferdjagd in Kolumbien gefallen?«