Leerstelle im Gedächtnis der Stadt

Die Leerstelle am alten Haupteingang der Ostfriesischen Volksbank in Leer.

Wer in der ostfriesischen Stadt Leer von der Brunnenstraße kommend die Mühlenstraße entlanggeht, passiert den Altbau der Ostfriesichen Volksbank (OVB), ein imposantes Gebäude, das 1924 fertiggestellt wurde. Am ehemaligen Haupteingang, direkt unter dem Firmenschild, fällt ein fast gleichgroßer heller, quadratischer Fleck auf. Dübellöcher zeigen, dass dort einmal etwas angeschraubt war.

Bis vor einigen Jahren erinnerte an dieser Stelle eine Bronzetafel an einen Ereignis am Ende des Zweiten Weltkriegs in Leer. Sie trug diese Inschrift:

»Am 29. April 1945 um 4.00 Uhr wurde dieser Eingang von canadischen Truppen – den Water-Rats – im Rahmen der Kampfhandlungen um Leer gesprengt.« „Leerstelle im Gedächtnis der Stadt“ weiterlesen

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50 years ago: Pink Floyd appears

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Das Cover von The Piper at the Gates of Dawn.

Für diesen Trip braucht man keine Drogen. Spätestens nach den ersten fünf Sekunden, in denen eine blecherne Stimme vor fernen Gitarrenklängen unverständliche Worte aneinanderreiht, ist man für den Rest des Lebens abhängig. „The Piper at the Gates of Dawn“ ist eine elektrisierende Mischung aus irritierenden Klängen, seltsamen Geräuschen, merkwürdigen Songtiteln („Pow R. Toc H.“) und zum Teil völlig irren Texten. Man möchte echt nicht wissen, was dabei im Kopf von Mastermind Syd Barrett vorgegangen ist. Er hat’s nicht lange ausgehalten. Ich schon. Bis heute.

Heute vor 50 Jahren (5. August 1967) erschien das Debütalbum von Pink Floyd: „The Piper at the Gates of Dawn“.

Römische Impressionen

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Die Buchhandlung Fahrenheit 451 am Campo de‘ Fiori in Rom.
Statue für Giordano Bruno

Am Campo dei Fiori in Rom, auf dem im Februar 1600 Giordano Bruno verbrannt wurde, gibt es einen kleinen Buchladen. Er nennt sich »Fahrenheit 451«. Das ist der Titel eines Romans von Ray Bradbury über eine Gesellschaft, in der Bücher verboten sind und verbrannt werden. Der Schriftsteller wählte den Titel in der Annahme, 451° Fahrenheit sei die Selbstentzündungstemperatur von Papier.

Giordano Bruno, ein ehemaliger Mönch, wurde im Alter von 52 Jahren wegen Ketzerei verbrannt. Seine Bücher auch. Er hatte geschrieben, dass das Universum unendlich und voller belebter Welten wie die Erde sei. Die Sterne hielt er für Sonnen wie die unsere. Er hatte also für seine Zeit ein sehr modernes Weltbild, das spätere Naturphilosophen beeinflusste. In dieses Weltbild passte kein Jenseits, und im Grunde war darin auch kein Platz für Gott.

Auf dem Campo de’ Fiori, dem Blumenfeld, wurde Bruno 1889 gegen den Willen der Kirche ein Denkmal gesetzt, das von Ettore Ferrari geschaffen wurde. In dessen Sockel zeigen drei Bronzereliefs Szenen seines Verfahrens vor der Inquisition und von der Verbrennung (mehr Infos, auf Italienisch).

Wie’s der Zufall will, ist in der gerade erschienen Anthologie »Meuterei auf Titan«, die meine Kurzgeschichte »Das letzte Mammut« enthält (hier), ein Zitat von Giordano Bruno vorangestellt. Denn ohne ihn gäbe es Science Fiction vielleicht gar nicht. Das Zitat lautet:

Nur ein ganz Törichter kann die Ansicht haben, im unendlichen Raum, auf den zahllosen Riesenwelten, gebe es nichts anderes als das Licht, das wir auf ihnen wahrnehmen. Es ist geradezu albern, anzunehmen, es gebe keine anderen Lebewesen, keine anderen Denkvermögen und keine anderen Sinne als die uns bekannten.

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Die Hinrichtung von Giordano Bruno (Relief vom Sockel des Denkmals auf dem Campo de‘ Fiori).

Terra X und die ersten Amerikaner

terrax1Die ersten Menschen, die nach Amerika kamen, sollen Afrikaner gewesen sein. Schon vor etwa 30.000 Jahren und damit 18.000 Jahre eher, als bisher angenommen, hätten sie sich im heutigen Brasilien niedergelassen. Das ist die Botschaft, die das ZDF am vergangenen Sonnabend (19.2.) in einem Beitrag der Reihe »Terra X« verbreitet hat.

Die Dokumentation mit dem reißerischen Titel »Sensationsfund in Brasilien« (in der ZDF-Mediathek) beschäftigt sich mit den neuesten Forschungen in der Serra da Capivara, einem Nationalpark im Osten Brasiliens. Er ist seit Langem für seine mehr als 50.000 Felszeichnungen bekannt. Bereits Mitte der 1980er Jahre sind dort von brasilianischen Archäologen, allen voran Niède Guidon, Funde gemacht worden, die ein sehr hohes Alter aufweisen und die bisherigen Annahmen über die Besiedlung Amerikas infrage stellten.

Es fing in Clovis/NM an

Zu dieser Zeit war die sogenannte Clovis-First-Theorie unbestritten: Die ersten Menschen kamen am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren als Großwildjäger von Alaska durch einen eisfreien Korridor auf das Gebiet der heutigen USA. Von dort breiteten sich die Einwanderer innerhalb von 1000 Jahren bis an die Spitze Südamerikas aus. Benannt ist die Clovis-Kultur nach dem ersten Fundort der für sie charakteristischen Speerspitzen nahe der Kleinstadt Clovis in Neumexiko.

Der Beitrag des seit Jahren bewährten Teams um Gisela Graichen und Peter Prestel krankt an seinem Denkansatz. Von Anfang an wird darauf herumgeritten, dass die Funde in der Serra de Capivara der Clovis-First-Theorie den Garaus machen. Aber ausgerechnet das kann man aus den Erkenntnissen der Forscher in Brasilien nicht ableiten.

Ohne Nachkommen verschwunden

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Die Serra de Capivara liegt im Osten Brasiliens.

Denn hier werden gewissermaßen Äpfel mit Birnen verglichen. Zwar belegen die Erkenntnisse aus Brasilien, dass Menschen lange vor Clovis in Amerika waren. Aber, was erst am Ende des Beitrags deutlich wird, die Bewohner der Serra de Capivara sind offenbar nach einem Zeitraum von womöglich mehreren tausend Jahren verschwunden, ohne Nachkommen unter den heutigen Ureinwohnern hinterlassen zu haben. Die Clovis-First-Theorie ist dagegen nicht nur eine Antwort auf die Frage, wer Amerika als erstes und wann erreichte, sondern vor allem versucht sie zu erklären, woher die heutigen Ureinwohner stammen und wie sie sich in Amerika ausbreiteten. Serra de Capivara und Clovis sind kein Gegensatz. Möglicherweise waren die Felsenbilder-Maler von Brasilien Nachkommen von Afrikanern, aber die American Natives von heute stammen von Asiaten ab. Dafür gibt es unzählige genetische Beweise.

Die Fixierung auf den Gegensatz Clovis/Serra da Capivara führt zudem dazu, dass die Autoren die wissenschaftliche Debatte der letzten 25 Jahre über die Besiedlung Amerikas fast komplett ignoriert. Denn Clovis First ist schon längst nicht mehr unumstritten. Es gibt zahlreiche Fundstätten in Nord- und Südamerika, die älter als Clovis sind. In dem Beitrag werden die Ausgrabungen von Tom Dillehay in Monte Verde in Chile zwar kurz erwähnt, aber in einer Art und Weise, die suggerieren, dass er in seiner Branche als Exot und einsamer Rufer in der Wüste gilt. Dabei war es gerade er, der Anfang der 1990 Jahre den ersten wichtigen Beitrag zum Ende der Clovis-First-Theorie lieferte.

Im Herbst 2013 trafen sich in Santa Fe in Neumexiko die führenden Wissenschaft auf diesem Gebiet zur »Paleoamerican Odyssee«, um sich über den aktuellen Stand der Forschung auszutauschen. Darüber habe ich in meinem Neumexiko-Blog ausführlich berichtet.

Mehrfach wird in dem Beitrag unterstellte, dass US-amerikanische Wissenschaftler stur auf der Clovis-First-Theorie beharren, weil sie ihre südamerikanischen Kollegen für inkompetent halten.

terrax2Unerreichbar auf dem Grund des Meeres

Die Forschung ist also schon ein ganzes Stück weiter, als der ZDF-Beitrag vormacht. Sie bietet allerdings, wie das meistens ist, keine so griffigen Erkenntnisse, die sich mit einer Schlagzeile wie »Sensationsfund in Brasilien« anpreisen lassen. Unter den »Beyond Clovis«-Theorie hat derzeit die Küstenroutentheorie die meisten Anhängern. Danach wanderten die ersten Amerikaner nicht durch den eisfreien Korridor ein, der sich viel zu spät öffnete, sondern kamen schon vor zirka 15.000 Jahren mit Booten aus Asien. Diese Theorie beseitigt eine ganze Reihe von Ungereimtheiten, die sich aus Clovis First ergeben. Sie hat aber auch einen großen Nachteil. Damals lag der Meeresspiegel um etwa 100 Meter tiefer als heute. Mögliche Siedlungsspuren der ersten Amerika sind untergegangen und liegen jetzt unerreichbar auf dem Meeresboden.

Insgesamt ist der zwar Beitrag gut gemacht und informativ. Er trägt sicher zum Verständnis für Wissenschaft im Allgemeinen und Archäologie im Besonderen bei. Aber offensichtlich aus dramaturgischen Gründen wird der unbedarfte Zuschauer auf eine falsche Fährte gelockt. Der behält am Ende wohl nur diese Botschaft: Die ersten Amerikaner lebten in Brasilien und nicht in den USA, und die nordamerikanischen Archäologen sind arrogante Ignoranten. Sie sollte aber lauten: Die Erforschung der Erstbesiedlung Amerikas gehört zum Spannendsten, was im Moment in der Archäologie diskutiert wird.


Links

Mit der Erstbesiedlung Amerikas befasst sich das Center for the Study of the First Americans der Texas A&M University.  Dessen Leiter, Michael Waters, kommt auch in dem Terra-X-Beitrag kurz zu Wort.

Nur mäßig spannende Schatzsuche

berrySteve Berry: Die Kolumbus-Verschwörung.  Übersetzt von Barbara Ostrop. Blanvalet Taschenbuch Verlag  2014. 544 S. 12 Euro (E-Book: 9,99 €). ISBN  978-3442382798.

»Die Kolumbus-Verschwörung« ist ein Thriller des US-amerikanischen Schriftstellers Steve Berry. 1504 versteckt Christoph Kolumbus (Columbus) auf der Karibik-Insel Jamaika drei Truhen, die er aus Europa mitgebracht hat. Ein stinkreicher, skrupelloser und fanatischer jüdischer Geschäftsmann, Zacharias Simon, ist da hinterher, um mit ihrer Hilfe das Selbstvertrauen des Staates Israels/des Judentums zu stärken und sie von ihren Feinden, den Arabern, zu befreien.

Denn in der Truhe befand sich angeblich der seit Jahrhunderten verschollene Schatz aus dem Jerusalemer Tempel, dem heiligsten Ort des Judentums, den die Römer 70 n. Chr. zerstörten. Columbus war nämlich ein Converso, ein zum Christentum konvertierter Jude, der den Schatz aus Spanien gerettet hatte. Simon geht für sein Ziel buchstäblich über Leichen. Nicht weniger skrupellos ist der Jamaikaner Béne, ein Nachfahrer afrikanischer Sklaven, der auf der Suche nach einer angeblichen, von Kolumbus entdeckten Goldmine ist.

In die Machenschaften dieser Männer wird der gescheiterte Reporter Tom Sagan verwickelt, weil er glaubt, dass seine Tochter Ali entführt wurde. Der Leser erfährt bald, dass Ali, die ihren Vater verachtet, gemeinsame Sache mit Simon macht. Die Entführung ist inszeniert, damit ihr Vater beschafft, was im Sarg seines Vaters und Alis Großvater liegt – den Schlüssel zum Versteck des Tempelschatzes, wie Simon glaubt. Die Jagd nach dem Schatz führt von Florida über Wien und Prag nach Jamaika.

Simon Wiesenthals Idee

Die Idee, das Kolumbus ein konvertierter (spanischer) Jude auf einer geheimen Mission ist, ist nicht neu. Simon Wiesenthal, Holocaust-Überlebender, Eichmann-Jäger und Leiter des jüdischen Dokumentationszentrum in Wien, hat sie 1972 in seinem Buch »Segel der Hoffnung« aufgebracht. Columbus, so seine These, sollte für die in Spanien verfolgten Juden eine neue Heimat in Übersee finden. Von drei Kisten war bei ihm aber nicht die Rede. In einem Nachwort gibt Berry an, was in seinem Buch historische Tatsache ist und was Fiktion. Wiesenthal wird dabei nicht verschwiegen.

Nur mäßig spannend

Es sei Berrys bisher bestes Buch, wird der Daily Herald auf der Rückseite zitiert. Dann brauche ich seine anderen Romane ja nicht zu lesen. »Die Kolumbus-Verschwörung« hat mich wirklich nicht vom Hocker gerissen. Der angebliche Thriller ist nur mäßig spannend, was nicht nur am Plot liegt. Die Suche nach einem legendären verschwundenen Schatz – das ist nicht originell, da kommen einem gleich der Heilige Gral, Indiana Jones oder Lara Croft in den Sinn. Es wundert auch nicht, dass verschlüsselte Botschaften und eine geheime Höhle eine wichtige Rolle spielt.

Auch die Erzählweise gefällt mir nicht besonders. Allzu oft lässt Berry sich Spannung nicht richtig entfalten, weil er mit Infodump das Tempo rausnimmt. Der Leser wird immer wieder mit einem Haufen überwiegend historischer Information geradezu überschwemmt, ohne dass diese immer für das Verständnis oder den Fortgang der Handlung relevant ist.

Die verschiedenen Handlungsstränge sind zudem sehr stark segmentiert, ständig springt der Autor zwischen den Hauptpersonen und den Schauplätzen hin und her. Man kann sich richtig vorstellen, wie Berry einen Szenenplan ausgetüftelt und diszipliniert abgearbeitet hat. Jede Szene endet mit einem Cliffhänger oder einer (überraschenden) Wendung – wie aus dem Schreibratgeber. Vieles ist zu vorhersehbar, vor allem die Moral von der Geschicht’ (so etwas muss amerikanische Unterhaltungsliteratur wohl haben). Wenn gleich am Anfang das zerrüttete Verhältnis von Vater und Tochter thematisiert wird, weiß man, wie das enden wird.


Homepage von Steve Berry

Morgens in Leer/Ostfriesland

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Ich bin normalerweise nicht früh morgens in der Stadt unterwegs. Aber jetzt ist es mal passiert, und ich bin an meinem grauen Wintermorgen über den Denkmalsplatz  in Leer gelaufen. Fast menschenleer war er. So kenne ich den gar nicht. Das Denkmal wurde zur Erinnerung an die Gefallenen und die Schlachten im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 aufgestellt.

Neues Jahrbuch des Heimatvereins Leer

So sieht das erste Jahrbuch des Heimatvereins Leer aus.
So sieht das erste Jahrbuch des Heimatvereins Leer aus.

Der Heimatverein Leer hat jetzt ein eigenes Jahrbuch. Heute lag Band 1 von »De Utmiener« in meinem Briefkasten. Unter dem gleichen Titel war bisher das Mitteilungsblatt des Vereins, der in Leer das Heimatmuseum betreibt, erschienen. Jetzt ist »De Utmiener« (was in diesem Fall so viel wie Ausrufer bedeutet) deutlich aufgewertet worden.

Auf 150 Hochglanzseiten im Din-A-5-Format mit zahlreichen Farbabbildungen werden nicht nur die üblichen Vereinsmitteilungen und Hinweise auf Veranstaltungen unter die Leute gebracht. Das Jahrbuch enthält auch fundierte inhaltliche Beiträge, etwa zu einer Ausgrabung in Leer, und glänzt mit einem Schwerpunkt über »Mennoniten in Ostfriesland«. In fünf Aufsätzen geht es um verschiedene Aspekte; einer führt sogar zu den Mennoniten nach Uruguay. Es gibt zudem Plattdeutsches und eine Rubrik zur Bewahrung alter Rezepte.

Über die Mennoniten gab es im vergangenen Jahr eine Sonderausstellung im Heimatmuseum. Derzeit wird dort eine Ausstellung mit dem Titel »Amisia« über die Ems gezeigt, die auch sehr interessant ist (wovon ich mich am Sonntag überzeugt habe).

Der neue »Utmiener« ist ein ehrgeiziges Projekt. Mal sehen, ob er sich auf Dauer in dieser Form halten kann.


Link zum Heimatverein

Faltblatt zur »Amisia«-Ausstellung

Nachruf auf die CCPS

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Das Logo der Christopher Columbus Philatelic Society

Ich stehe vor der nicht ganz leichten Aufgabe, einen Nachruf zu schreiben, einen Nachruf auf die Christopher Columbus Philatelic Society. Die CCPS war bis zu diesem 12. Oktober 2016 ein internationaler Verein von Briefmarkensammlern, die sich für Columbus und die Entdeckung Amerikas interessierten. Zu heute wurde er aufgelöst, weil ihm die Mitglieder wegstarben und sich niemand fand, der die Vorstandsarbeit leisten wollte/konnte. Erst gestern ist ein früherer Clubpräsident, Overton T. Harris, von uns gegangen.

Die CCPS wurde vor 34 Jahren in San Juan/Puerto Rico gegründet, am 12. Oktober 1982. Der 12.10. ist der Tag, an dem Columbus im Jahr 1492 auf einer Bahamas-Insel erstmals amerikanischen Boden betrat. Die Gründer kamen aus mehreren Ländern, waren aber überwiegend weiße Amerikaner wie auch der Großteil der später einige Hundert Mitglieder. So weit ich das beurteilen kann, haben die meisten von ihnen ein eher unkritisches, wenn nicht sogar bewunderndes Verhältnis zu Columbus, obwohl jedem klar sein müsste, dass der Seemann aus Genua alles andere als ein Vorbild ist und der Erste in einer langen Reihe von Europäern war, die das Verderben nach Amerika brachten.

Ich war als Nummer 537 von 1998 bis heute Mitglied der CCPS. Auf den Verein war ich durch Recherchen im Internet gestoßen, damals noch etwas ganz Neues. Seinerzeit beschäftigte ich mich intensiv mit Columbus und dem Zeitalter der Entdeckungen und suchte nach Gleichgesinnten zum Austausch. Die vereinseigene Zeitschrift Discovery!, die seit 1982 viermal im Jahr erschien, bot die Möglichkeit, Artikel zu veröffentlichen. Weil ich kein Briefmarkensammler im klassischen Sinne bin, habe ich immer versucht, historische Aspekte zu betonen. Da ging es zum Beispiel um die Taino, die Ureinwohner der Karibik, oder das Columbus-Denkmal in Bremerhaven. Briefmarken waren immer nur der Aufhänger.

Besuch im Archivo dello Stato in Genua mit Michel Pacou (rechts).
Besuch im Archivo dello Stato in Genua mit Michel Pacou (rechts).

Mit der CCPS in Genua

Ein besonderes Erlebnis war 2003 ein Treffen mit anderen CCPS-Mitgliedern in Genua, dem wahrscheinlichen Geburtsort Columbus’. Dies war eines der sogenannten internationalen Seminare, die Michel Pacou, ein CCPS-Mitglied aus Frankreich, an verschiedenen Orten in Europa organisiert hatte. Ich war der mit Abstand Jüngste unter lauter Ruheständlern, aber wir haben uns gut verstanden. Das Programm mit Besuchen und Besichtigungen — unter anderem im Staatsarchiv, wo es Originaldokumente von Columbus gibt — war hochklassig, wir sind an Orte gekommen, die man sonst nie gesehen hätte. Das hätte eine professionelle Reiseagentur nicht besser hinbekommen.

Das wird es jetzt alles nicht mehr geben. Schade, aber kein Grund zu verzweifeln.

Alle Ausgaben der Mitgliederzeitschrift Discovery! gibt es auf der Website von CCPS-Mitglied Peter van der Krogt aus Utrecht als pdf-Datei zum Runterladen.

Link zu meiner Columbus-Website

Die SF hat Prag viel zu verdanken

Mehr als Blechspielzeug: Die Roboter sind heute allgegenwärtig.
Mehr als Blechspielzeug: Roboter sind heute allgegenwärtig.

Ich war neulich in Prag. Das ist nicht unbedingt ein Stadt, die man mit Science-Fiction verbindet (wenn es so eine Stadt überhaupt gibt); man fährt dort wegen der historischen Altstadt, der böhmischen Glaskunst oder des preisgünstigen Biers (der halbe Liter für deutlich  unter 1,50 Euro) hin. Dabei hat die SF der tschechischen Hauptstadt viel zu verdanken, auch wenn das nicht offensichtlich ist. Denn in Prag wurde der Roboter erfunden.

Nicht der Roboter als Konzept oder als Gerät, sondern als Wort für ein künstliches Wesen. Der Urheber und die »Geburtsstunde« des Wortes sind bekannt. Der tschechische Schriftsteller Karel Čapek (1890-1938) hat es das erste Mal 1920 für sein Schauspiel »R.U.R.« (Rossumovi Univerzální Roboti, zu Deutsch: Rossums Universalroboter) verwendet. Die Idee dazu hatte sein älterer Bruder Josef (1887-1945), ein Maler und Bildhauer. „Die SF hat Prag viel zu verdanken“ weiterlesen

Mehr Bücher über Columbus

Urlaub 2015 in Spanien
Im Franziskaner-Kloster La Rábida im Süden Spaniens fand Christoph Columbus Unterstützung.

Meine umfangreiche Literatursammlung über Christoph Columbus ist um einige Exemplare reicher. Das sind die Neuanschaffungen der letzten Zeit:

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Titelbild der Erstausgabe von 1977 von Firuz Askin

1. Der Heftroman »Die Insel des Columbus« von Roy Palmer (Pseudonym für Holger Friedrichs) wurde 1977 im Erich Papel Verlag KG in Rastatt (heute VPM) als Nummer 52 in der Reihe »Seewölfe. Korsaren der Weltmeere« 🔗 veröffentlicht. Eine E-Book-Neuauflage erscheint seit 2012; sie heißt jetzt »Seewölfe. Piraten der Weltmeere«. »Die Insel des Columbus« trägt darin die Nummer 38. Weil ich das Heft noch nicht gelesen habe, weiß ich nicht, ob es überhaupt etwas mit Columbus und seinen Entdeckungsfahrten zu tun hat.

2. Der Roman »Die Kolumbus-Verschwörung« von Steve Berry, ein Thriller, der 2014 bei Blanvalet erschienen ist (Originalausgabe: »The Columbus Affair« 🔗, New York 2013. Berry ist ein international erfolgreicher Autor, der Thriller zu historischen Themen verfasst.

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Titelbild Cristobal Colón en La Rábida y América

3. »Cristobal Colón en La Rábida y América« ist ein bunt bebildertes Heft für Kinder, das 2015 in der Edition Familia de Jesús des Franszikaner-Ordens in Huelva/Spanien erschienen ist. Darin erzählt Diego, der Sohn von Christoph Columbus, vom Kloster La Rábida 🔗, das den Entdecker unterstützt hat, und der Entdeckung Amerikas. Das habe ich eben dort gekauft, im Kloster La Rábida.

4. Die Biografie »Christoph Kolumbus. Korsar und Kreuzfahrer« der Schweizer Historikerin Corina Bucher 🔗, erschienen 2006 zum 500. Todestag des Entdeckers. Das Buch stand schon lange oben auf meiner Anschaffungsliste.

Zum erweiteren Themenkomplex der »Entdeckung Amerikas« gehören außerdem die beiden Sachbücher

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Titelbild Vinland

5. »Vinland« von Jörg-Peter Findeisen, einem Historiker und Skandinavien-Experte. Darin geht es um »Die Entdeckungsfahrten der Wikinger von Island nach Grönland und Amerika.« Erschienen 2011 im Verlag Ludwig in Kiel.

6. »Wurde Amerika in der Antike entdeckt?« von Hans Giffhorn (C. H. Beck, München, 2013). Giffhorn war Professor für Kulturwissenschaft in Göttingen und Hildesheim sowie Dokumentarfilmer. Die These, die er im Buch zu belegen versucht: Die Chachapoya, ein Volk in Peru, hatten europäische Vorfahren (Karthager, Keltiberer). Das wird bei mir in die Abteilung »Das Transozeanische Syndrom« eingeordnet.

Meine Columbus-Literatursammlung enthält derzeit

192 Sachbücher und
69 belletristischen Bücher
von 227 Autoren (161 Sachbuch; 66 Belletristik)

sowie einer großen, nicht erfassten Zahl von Artikel aus Zeitschriften, Zeitungen und Internet.