Titelbilder aus der Wiederaufbereitungsanlage

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Zwischen diesen beiden Titelbilder liegen 46 Jahre – aber sie ähneln sich doch. © Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

Na, das kenne ich doch. So ähnlich habe ich reagiert, als ich gestern das Cover-Motiv von Perry Rhodan Neo 137 »Schlacht um die Sonne« sah. Ich musste auch nicht lange überlegen, denn die Vorlage ist mir so präsent wie kaum ein anderes Titelbild der deutschen Science-Fiction-Serie: »Der alte Admiral«, Nr. 448, aus dem Jahr 1970 ist der erste Perry-Rhodan-Roman, den ich gekauft habe und der mich gleich ans Perryversum gefesselt hat.

Die Verwandtschaft ist augenfällig. Aus der Sonne rechts im Bild rast ein Raumschiff nach links vorne davon, einen Schweif aus Abgasen beziehungsweise brodelnder Materie hinter sich herziehend. Farben und Malweise in Johnny Brucks Bild von 1970 sind ein wenig expressionistisch, es war immerhin die Flower-Power-Zeit; die Arbeit von Dirk Schulz/Horst Gotta ist eher naturalistisch.

Nun ist es gerade in der PR-Serie nichts Besonderes, dass bei Titelbildern Anleihen genommen werden; in manchen Fällen muss man sogar von dreistem Motivklau sprechen. Johnny Bruck, der von 1961 bis 1995 alle Titelbilder der wöchentlich erscheinenden Heftromane gemalt hat, hat sich ständig irgendwo bedient, zur Not bei sich selbst. Da will ich heutigen Titelbildmalern keine Vorhaltungen machen. Ich finde es allerdings erstaunlich, dass ein Motiv von vor mehr als 45 Jahren in die Wiederaufbereitungsanlage kommt.

Die Bilder im Vergleich

Ist damit alles gesagt? Selbstverständlich nicht. Entscheidend sind beim Vergleich der Bilder, der sich ja anbietet, die Unterschiede, vor allem die, die einem nicht gleich ins Auge springen. Dabei bestätigt sich meine alte These, dass den heutigen Titelbildern oft ein Element fehlt, das bei den Bruck-Bildern eine wichtige Rolle spielte: Sie erzählen meistens keine Geschichte, sondern sind nur plakativ.

Auf dem Bruck-Bild fallen zwei Dinge auf: die Form des Raumschiffs und der Umstand, dass man in den Kanzel zwei Personen erkennt. Die rechte ist eindeutig eine Frau; sie sieht nicht wie ihr Nebenmann nach vorn, sondern zur Seite, als beobachte sie etwas. Sind die zwei vielleicht die beiden Cappins, die im Untertitel des Romans genannt sind? Weil wir weiterhin lesen, dass die Cappins ihr Leben riskieren, kann man annehmen, dass sie nicht gemütlich nach Hause schippern, sondern auf der Flucht sind, vielleicht um sich vor einer Gefahr abzusetzen. Das Raumschiff bzw. Raumboot ist klein, geradezu winzig, bietet also vermutlich nicht viel Schutz (kein vernünftiger Mensch bzw. Cappin würde mit so etwas in Sonnennähe fliegen). Das Design des Bootes erinnert mit seinem runden »Kopf« und dem langen, nach vorne gerichteten »Stachel« an die Darstellung von Moskitos in Cartoons. Das Boot ist also trotz seiner Winzigkeit und scheinbaren Verletzlichkeit nicht ganz wehrlos.

Was erzählt uns das andere Bild? Ein Raumschiff schießt aus der Sonnenatmosphäre hoch. Mehr nicht.

Wir wissen nicht, wie groß es ist. Ist es bemannt und von wem? Der Romantitel könnte ein Hinweis darauf sein, dass es sich um ein Kriegsschiff handelt. Aber es sind keine anderen Raumschiffe zu sehen, keine Kampfhandlungen, wir erkennen auch keine Bewaffnung, sondern nur acht runde Aufbauten (die mich spontan an einen Acht-Zylinder-Motor erinnert haben; zufälligerweise arbeitet die Agentur von Dirk Schulz auch für einen Dieselmotoren-Anbieter), deren Zweck sich auch nach längerem Nachdenken nicht erschließt.

Fazit: Das Bruck-Bild hat das gewisse Etwas, das dem Neo-Titelbild fehlt.

Aber als Titelbild eines aktuellen SF-Romans würde es sicherlich nicht taugen. Ich würde mir wahrscheinlich auch eher das Schulz-Bild an die Wand hängen als den „Admiral“.


Weiterführende Links

Johnny Brucks Leistung für Perry Rhodan habe ich schon einmal anlässlich seines 20. Todestags in diesem Blogpost gewürdigt. Wenig erstaunlich, dass »Der alte Admiral« darin auch vorkommt.

Perry Rhodan NEO ist eine neue Version der Science-Fiction-Heftromanserie Perry Rhodan, die seit 1961 wöchentlich im Pabel-Moewig-Verlag erscheint.

Animagic, die Werbeagentur von Dirk Schulz

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