»Paradox« ist preisverdächtig

cover_paradoxPhillip P. Peterson: Paradox. Am Abgrund der Ewigkeit.
Kindle Edition 2015. 4,99 Euro. 
Taschenbuch. Bastei-Lübbe 2015, 480 Seiten, 9,99 Euro. ISBN-13: 978-3404208432.

»Paradox. Am Abgrund der Ewigkeit« von Phillip P. Peterson ist, zu Recht, ein heißer Favorit für den Deutschen Science-Fiction-Preis und den Kurd-Laßwitz-Preis. Für beide renommierten SF-Preise wurde das Buch nominiert. Im vergangenen Jahr wurde das E-Book mit dem Kindle Storyteller Award von Amazon ausgezeichnet; zur Belohnung gab’s einen Vertrag mit Bastei-Lübbe für ein »richtiges« Taschenbuch.

»Paradox« wird als »HiTech-Thriller mit einer großen Dosis Science-Fiction« angepriesen. Das trifft es ganz gut. Der Roman spielt in nicht allzu ferner Zukunft: Die abgehalfterte Nasa und das Privatunternehmen Centauri Corp. schicken ein Raumschiff, das mit einem neuartigen Antimaterie-Antrieb ausgestattet ist, an den Rand des Sonnensystems, nachdem der Kontakt zu mehreren unbemannten Sonden, darunter den alten Voyager-Sonden, abgerissen ist. Peterson steht also mit einem Bein in der Gegenwart. Was die vierköpfige Crew weit jenseits der Pluto-Bahn entdeckt, ist jedoch High-End-SF, da hatte der Autor eine grandiose Idee.

Peterson lässt sich viel Zeit, die vielschichtigen Charaktere zu entwickeln und schildert ausführlich die schwierigen Vorbereitungen für den Flug. Dabei glänzt er mit einem enormen technischen Detailwissen, man könnte glauben, er habe selbst ein Astronautentraining mitgemacht. Kein Wunder, er arbeitet in der Raumfahrtindustrie.

Flammarion_Holzschnitt
Was man wohl sieht, wenn man die Himmelssphäre durchstößt? Holzschnitt aus Camille Flammarion: L’Atmosphère. Météorologie populaire, Paris 1888 (p. 163). Quelle: Wikipedia

Der »Sense of Wonder« kommt erst auf, als die Crew ihr Ziel erreicht und eine faszinierende Entdeckung von wahrhaft kosmischem Ausmaß macht. Hier schwächelt das Buch allerdings auch: Die Entität, auf der die Besatzung trifft, handelt und denkt für meinen Geschmack zu menschlich und schwingt auch noch oberlehrerhaft die Moralkeule, statt abgrundtief fremdartig zu sein. Ich glaube nicht, dass das Erste, was wir von einem Alien hören, so ein Satz ist: »Gehen Sie an Bord Ihres Raumschiffs. Unternehmen Sie keinen Versuch Ihren Antrieb wiederherzustellen, sonst wird Ihr Schiff vernichtet.«

Starke Konkurrenz

Petersons »Paradox« hat bei den SF-Preisentscheidungen natürlich starke Konkurrenz, allen voran »Das Schiff« von Andreas Brandhorst, das ebenfalls für beide Preise nominiert ist. Dieses Buch ist in vielen Belangen das Gegenteil von »Paradox«: Brandhorst ist ein arrivierter Autor, der schon lange von einem etablierten Großverlag (Piper) verlegt wird, der Roman spielt in allerfernster Zukunft, und das Personal besteht aus Unsterblichen, Robotern und anderen Wesen, aber nicht aus ganz normalen Leuten wie dem alternden Astronauten Ed Walker und dem jungen Wissenschaftler David Holmes bei Peterson.

 Kurd-Laßwitz-Preis  Deutscher Science-Fiction-Preis
»Grauwacht« von Robert Corvus »Meran« von Dirk van den Boom
»Das Schiff« von Andreas Brandhorst
»Venus siegt!« von Dietmar Dath »Feuer am Fuß: Die Maeva-Trilogienbsp;3« von Dirk C. Fleck
»Kampf mit den Tlaxi« von Matthias Falke »Das Licht von Duino« von Frank W. Haubold
»Paradox« von Phillip P. Peterson
»Der Algorithmus des Meeres« von Frank Hebben
»Glühsterne« von Axel Kruse
»Schwarzes Gold aus Warnemünde« von Harald Martenstein und Tom Peuckert
»Planet Magnon« von Leif Randt

Die Chancen für »Paradox«, einen der beiden oder gar beide Preise zu gewinnen, kann ich, ehrlich gesagt, nicht beurteilen. Denn ich habe von den nominierten zwölf Romanen nur zwei ganz und einen angelesen. Von denen hat mir Petersons Buch aber am besten gefallen. Das muss als Empfehlung reichen.

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3 Kommentare zu „»Paradox« ist preisverdächtig

  1. Ich habe „Paradox“ auch gelesen und fand es sehr spannend!
    Am letzten Wochenende habe ich sein erstes Buch „Transport“ regelrecht „verschlungen“ und fand es noch spannender! Im Mai 2016 soll der Nachfolger „Transport2“ erscheinen, ich bin schon sehr gespannt.
    Über „Paradox“ habe ich auch gebloggt, hier mein Beitrag mit einem Video-Interview mit dem Autor:
    http://volkerhoff.com/buchtipp-paradox-am-abgrund-der-ewigkeit/
    Über „Transport“ werde ich in einigen Tagen auch einen Blogbeitrag schreiben.

    In diesem Sinne: ad astra!
    P.S. nach „Transport“ werde ich jetzt aber wieder einen PR-Roman lesen 🙂

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