Empörung

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Das Denkmal für Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau in Fulda.

Ich muss mal meiner Empörung Luft machen. Als ich vor einiger Zeit in Fulda war, bin ich auf ein Denkmal für Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau (1772-1843), Fürst von Nassau-Oranien-Fulda und von 1815 bis zu seinem Tod erster König der Niederlande (Wikipedia-Eintrag 🔗), gestoßen. Dass in einer Stadt ein Denkmal für ihren ehemaligen Regenten steht, ist ja nichts Ungewöhnliches. Aber dieses Denkmal wurde 2014 neu errichtet, unter anderem unter Beteiligung der Stadt Fulda. Das kann doch nicht wahr sein: Eine demokratische Institution huldigt einem adligen Herrscher.

 

Das Denkmal steht auf einer Verkehrsinsel in der Nähe des Doms und des Schlosses, also an einer recht exponierten Stelle, an der viele Besucher der Stadt vorbeikommen. Es besteht aus einer schlichten eckigen Steinsäule mit einem Porträt des Geehrten in Seitenansicht als Relief. An drei Seiten gibt es Inschriften. Das weist schon rein äußerlich darauf hin, dass es sich wohl nicht um ein Monument aus dem Biedermeier handeln. Man muss dazu nicht die am Fuß des Denkmals in den Boden eingelassenen Inschriften auf Deutsch und Niederländisch gelesen haben, die auf das Jahr 2014, den Künstler und die Geldgeber hinweisen.

Die Inschriften

Auf der Seite mit dem Porträt stehen die Lebensdaten des Geehrten. Auf der gegenüberliegenden Seite wird das Territorium genannt, über das Wilhelm Friedrich herrschte. Dazu ist ein Wappen abgebildet. Das sind reine Sachinformationen.

Aber nun kommt es: Auf der Südseite steht »Wachse hoch, Oranien!« Ernsthaft, wachse hoch, Oranien? Ein Hochruf auf die niederländische Monarchie? Wir leben im 21. Jahrhundert.

Natürlich wird auch diese Kartoffel nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird. Eine kurze Recherche im Internet ergibt, dass „Wachse hoch, Oranien!“ der Name einer Fuldaer Initiative ist, die sich die Intensivierung der Beziehungen zu den Niederlanden auf die Fahnen geschrieben hat. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie die historische Beziehung, die durch Wilhelm Friederich besteht, für den Tourismus nutzbar machen lässt. Man will also Niederländer nach Fulda locken. Dazu hat es 2012 einen wissenschaftlichen Kongress 🔗 eben mit dem Titel »Wachse hoch, Oranien!« gegeben, wozu es hier 🔗 eine Zusammenfassung der einzelnen Beiträge gibt. Nur steht davon nichts an dem Denkmal. Der normale Besucher wird es als Huldigung an einen Monarchen auffassen.

Kein Demokrat

Nun mag Wilhelm Friedrich sogar ein verdienstvoller Landesherr gewesen sein, dem das Fűrstentum eine Menge zu verdanken hat. Ich habe das nicht weiter recherchiert. Es spielt nämlich keine Rolle. Er war ein Adliger, der nicht wegen seiner Leistungen oder besonderer Fähigkeiten in dieses Amt gekommen ist, sondern allein durch seine Geburt. Das widerspricht eklatant demokratisches Prinzipien, nach denen alle Menschen gleich sind. Zudem war das Fürstentum Fulda seinem Vater als Entschädigung übereignet worden, weil die Franzosen ihn als Statthalter der Niederlande verjagt hatten. Diese Art der Territorialpolitik ist auch alles andere als demokratisch.

Ich halte das alles für sehr bedenklich. Es gibt mit Sicherheit verdiente Demokraten aus dem ehemaligen Fürstentum, denen man eher ein Denkmal setzen sollte.

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