Er gab Perry Rhodan ein Gesicht

Mein erster Bruck – gesehen 1970.
Mein erster Bruck – gesehen 1970.

Heute vor 20 Jahren, am 6. Oktober 1995, ist Johnny Bruck im Alter von 74 Jahren an den Folgen eines Unfalls gestorben, der Mann, der Perry Rhodan ein Gesicht gegeben hat. Man kann sich vorstellen, dass das – neben aller persönlichen Betroffenheit – für die Perry-Rhodan-Redaktion ein Schock war und einer Katastrophe gleichkam, denn Johnny Bruck hatte bis dahin seit dem Serienstart im September 1961 alle Titelbilder gemalt.

Ich will an dieser Stelle aber gar nicht weiter darauf eingehen. Das haben andere viel ausführlicher und besser gemacht. Hingewiesen sei auf den Bildband »Perry Rhodan-Illustrator Johnny Bruck« von Frank G. Gerigk, der inzwischen ein teuer gehandeltes Sammelobjekt geworden ist. Man muss heute mindestens einen Hunderter auf den Tisch legen, um das Buch neuwertig zu bekommen, und selbst gebraucht kostet es weit mehr als die 39,90 Euro, die man bei Erscheinen vor zwei Jahren berappen musste. Wenn man überhaupt jemanden findet, der es anbietet.

Hier geht es um meinen persönlichen Eindruck. Meinen ersten Bruck hatte ich 1970 in der Hand, es war der Roman »Der alte Admiral« von Hans Kneifel. Das Titelbild zeigt ein winziges Raumschiff, das sich von der brodelnden Sonne entfernt. Durch die gläserne Frontscheibe sieht man zwei Personen, womöglich die beiden Cappins, die im Untertitel des Hefts erwähnt werden. Besonders auffällig ist der lange, spitze Stachel am kugelförmigen Cockpit. Dadurch ähnelt das Raumschiff verdächtig Moskitos, wie sie in Comics und Zeichentrickfilmen dargestellt werden.

Viele weitere Begegnungen mit der Kunst Johnny Brucks folgten. Was mir immer am besten an seinen Titelbildern gefallen hat: Viele von ihnen erzählen ganze Geschichten. »Beim alten Admiral« kann man sich vorstellen, wie das kleine Raumschiff, das kaum mehr ist als ein Rettungsboot ist, sich mit Höchstgeschwindigkeit aus dem Griff der Sonne zu befreien versucht. Der Stern sieht aus, als stehe er kurz vor einer Explosion. Vielleicht waren die beiden Insassen die Verursacher.

Mein Lieblings-Bruck.
Mein Lieblings-Bruck.

Mein Lieblingsbild ist das von Nr. 3, »Die strahlende Kuppel«. Ein Roboter hat einen Menschen, vermutlich einen Raumfahrer, am Schlafittchen gepackt. Im Hintergrund steht ein kugelförmiges Raumschiff auf dünnen Metallbeinen, darunter zwei weitere Roboter, die das Geschehen beobachten. Es sieht so aus, dass Mensch und Roboter kämpfen und der Metallmann das Wesen aus Fleisch und Blut mal eben so packt. Vielleicht verpasst er ihm gleich eine Ohrfeige oder ein Kinnhaken. Bruck rückt hier also das Verhältnis Mensch-Maschine ins Bild, und man sieht auf den ersten Blick, wer am Ende den Kürzeren zieht.

Serien-Kenner mögen anmerken, dass das Bild voller Fehler ist. Einem geübten Rhodan-Leser fällt gleich auf, dass das Kugelraumschiff am Äquator keinen Ringwulst hat, in dem die Triebwerke untergebracht sind. Außerdem ist das Schiff viel zu klein. Es kann sich nur um das Beiboot GOOD HOPE handeln, das einen Durchmesser von 60 Metern hat. Nimmt man die Roboter als Maßstab, misst das Schiff nicht einmal 20 Meter im Durchmesser. Auch die dargestellte Szene findet sich nicht im Roman wieder. Aber das stört nur Pedanten.

Vor allem die frühen Motive von Bruck orientieren sich sehr stark an denen der amerikanischen Pulp-Magazinen wie Amazing Stories oder Weird Tales. Auch dort ist immer Action, schließlich standen die Hefte am Kiosk in harter Konkurrenz zu anderen Magazinen. Es ist kein Geheimnis, dass der Künstler sich da kräftig bedient hat. Manches Cover, das Johnny Bruck nicht nur für Perry Rhodan geschaffen hat, ist schlicht und einfach abgekupfert.

Inzwischen ist eine neue Generation von Titelbildzeichner bei Perry Rhodan groß geworden. Viele von ihnen sind großartige Illustratoren, die einen eigenen, von Bruck unabhängigen Stil entwickelt haben und bestechende Arbeiten abliefern. Mir fehlt allerdings das erzählerische Element, die Bilder sind toll anzusehen, aber sie sprechen nicht zu mir.

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