Mein halber Dortcon 2015

Das Dortcon-2015-Plakat, gestaltet von Lothar Bauer

Es war anders geplant, aber mein zweiter Ausflug ins deutsche SF-Fandom endete unplanmäßig, noch bevor sich am Sonntagmorgen im Fritz-Henßler-Haus in Dortmund die Türen zum Dortcon 2015 das zweite Mal öffneten. Dabei hatte ich mir noch einiges vorgenommen (unter anderem Mit-Organisator Arno Behrends eine Widmung in ein frisch erworbenes Exemplar seines viel gelobten Erzählungsbandes »Schuldig in 16 Fällen« schreiben zu lassen und am Atlantis-Stand Dirk van den Boom zu fragen, wie er diesen enormen Output an Romanen schafft). Statt eines Gesamteindrucks gibt es also nur eine Zwischenbilanz. Selbst dabei muss ich noch viel weglasse,.

Wolf Welling (links), Jacqueline Montemurri und Olaf Kemmler lesen die Zukunft.
Wolf Welling (links), Jacqueline Montemurri und Olaf Kemmler lesen die Zukunft. Sie steht im SF-Kurzgeschichtenmagazin »Exodus«.

Dickes Programm
Das Angebot der beiden Dortcon-Tage (21. und 22. März) erforderte schon eine gewisse Vorbereitung.  Vier Programmschienen mit jeweils einstündigen parallelen Veranstaltungen – das kann man ohnehin nicht schaffen, und dann will man zwischendurch noch mit Leuten reden, sich an den Büchertischen umsehen und vielleicht auch einen Happen essen.

Thorsten Küper und Anja Bagus lesen  »Valerius von Arbogast und sein fabelhafter Krakun«.
Thorsten Küper und Anja Bagus lesen »Valerius von Arbogast und sein fabelhafter Krakun«.

Mein persönliches Programm aufzustellen war dann aber nicht so schwer; nur in einem Fall musste ich eine Münze werfen und hatte so das Vergnügen, Thorsten Küper und Anja Bagus (im Steampunk-Outfit) bei der Lesung von Thorstens Steampunk-Geschichte »Valerius von Arbogast und sein fabelhafter Krakun« zu erleben. Ich muss allerdings anmerken, dass Thorstens Performanz abends bei seinen Auftritten beim »Open Mic« deutlich mehr Pepp hatte.

Uwe Post, ganz in seinem Element
Uwe Post, ganz in seinem Element

Auf die Performance kommt es an
Apropos: Eine gute Geschichte allein macht es nicht, und jede Autorin ist gut beraten,  an ihrer Performance zu arbeiten (so viel zum Thema gendergerechte Sprache in der SF, worum es in Bernhard bzw. Barbara Kempens Beitrag zum Con ging). Beim Dortcon konnte man die Unterschiede beobachten. Besonders gut gemacht hat es Uwe Post, der uns gestenreich und mit ausdrucksstarker Mimik in seinen Roman »Sterne zu Staub« eintauchen  ließ und die Lesung mit der Verkündung der neuesten EU-Richtlinien garnierte. Anderen Vorlesern fehlte es da (ein bisschen) an Würze. Ein feiner Zug von Uwe Post war es übrigens, eine Lanze für den Deutschen Science-Fiction-Preis zu brechen, obwohl sein Roman nicht nominiert worden war.

Steampunk Jürgen Lautner lässt mal Dampf ab.
Steampunk Jürgen Lautner lässt mal Dampf ab.

Lachen mit Lurchi & Co.
Sehr gut gefällt mir an der deutschen SF der Humor. Man darf die SF nicht zu ernst nehmen, das Leben ist schon ernst genug (meistens).  Da gab es auf dem Con gleich eine ganze Reihe von Protagonisten. Wir haben uns köstlich mit und wegen Uwe Post und Thorsten Küper amüsiert. Wunderbar war auch der ironisch-nostalgische Ausflug von Jürgen Lautner, der beim »Open Mic« am Abend die Weltraumtrilogie von Lurchi vortrug und vom Publikum nach jedem Teil mit einem »Salamander lebe hoch« verabschiedet wurde.

An ihnen kam keine(r) so vorbei: Irma Leu und Torsten Frantz an der Con-Kasse.
An ihnen kam keine(r) so vorbei: Irma Leu und Torsten Frantz an der Con-Kasse.

Die Ehrengäste
Kein Con ohne Ehrengäste, habe ich gelernt. In Dortmund gab es drei: Karsten Kruschel, Chris Beckett und Lothar Bauer, zwei Schriftsteller und einen Maler/Grafiker. Karsten kannte ich schon von meiner eigenen SF-Veranstaltung »Hinterm Mond« im vergangenen Jahr, deshalb habe ich in Dortmund auf seine Lesung verzichtet und nur mit ihm geplaudert.

Chris Beckett, Ehrengast aus England, liest »The Peacock Cloack«.
Chris Beckett, Ehrengast aus England, liest »The Peacock Cloack«.

Neugierig war ich auf Chris Beckett, einen in Deutschland weitgehend unbekannten englischen Autor. Es gibt immer mal wieder Kritik daran, teuer Geld für ausländische Gäste auszugeben, die das nicht nötig hätten, statt deutsche Autoren zu unterstützen (zum Beispiel hier auf Facebook), aber diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen.

Dass deutsche SF-Autoren in der Öffentlichkeit außerhalb des Fandoms kaum beachtet werden und vom Schreiben nicht leben können, liegt ja wohl ursächlich nicht an den Cons oder an den Kleinverlagen und erst recht nicht an der Qualität der Texte, sondern an den großen Verlagen,  die ihre durchaus vorhandenen SF-Titel nicht unter diesem Label vermarkten und das Genre nicht fördern.

Chris hat seine Erzählung »The Peacock Cloack« gelesen. Da habe ich dann gemerkt, dass es ein großer Unterschied ist, ob man einen fremdsprachigen Text selbst liest oder ihn vorgelesen bekommt: Man kann einen Satz, den man nicht auf Anhieb verstanden hat, nicht noch mal hören.  Dass ich irgendwann den Faden verloren habe, lag ein bisschen an Chris‘ Vortragsweise und zum überwiegenden Teil am Schlafmangel in der Nacht zuvor.

Auf die Frage, die ich Chris später am Tag gestellt habe, was der Unterschied zwischen deutschen und englischen Fans sei, antwortete er nach einigem Zögern: »Ihr seid besser angezogen.«

Mit Lothar Bauer, der das Con-Plakat gestaltet hatte, wollte ich eigentlich am Sonntag Kontakt aufnehmen, um mich mit ihm über seine Bilder zu unterhalten. Aber das ist wegen meiner unplanmäßigen Abreise leider ins Wasser gefallen.

Der »Gartensaal« wurde zum Büchersaal.
Der »Gartensaal« wurde zum Büchersaal.

Verpasst
Den Sonntag habe ich, wie gesagt, komplett verpasst, weil ich aus familiären Gründen nach Hause musste. Schade, aber nicht zu ändern. Dummerweise hatte ich mich am Tag zuvor nicht unnötig mit Büchern belasten wollen, sondern das auf Sonntag verschoben. Nun, an Bücher heranzukommen, ist ja nicht so schwer.

Immer dabei: Matthew Kunkel und Eckhard Marwitz arbeiten an den Confacts. Wegen meiner unplanmäßigen Abreise bekam ich nur die Ausgabe 137 in die Finger.
Immer dabei: Matthew Kunkel und Ecki Marwitz arbeiten an den Confacts. Wegen meiner unplanmäßigen Abreise bekam ich nur die Ausgabe 137 in die Finger.

Fazit
Das geht wahrscheinlich allen so: Man trifft Bekannte, mit denen man nett plaudert, macht neue Bekanntschaften, und freut sich an vielen qualitativ erstklassigen Lesungen. Das Schöne an SF-Cons ist der Kontakt zwischen Fans und Autoren, zwischen Fans und Fans, zwischen Autoren und Autoren. Dem Orga-Team ein Dankeschön.

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