Kriegsverklärung auf Briefmarken

BattleofCocos-WWI
Die australische »Emden«-Briefmarke von Oktober 2014

Australien betreibt mit seinen Briefmarkenausgaben zum Ersten Weltkrieg (1914-1918) Kriegsverklärung. Ich hatte mir wegen des Bezugs zu Ostfriesland die Marken zum 100. Jahrestag der Zerstörung des kleinen Kreuzers »Emden« angesehen – und war irritiert über die Haltung down under.

Die SMS »Emden« war ein leichter Kreuzer der Kaiserlichen Marine, der im Indischen Ozean operierte. Die Besatzung hat in den ersten Kriegswochen mehrere Handels- und Kriegsschiffe der Alliierten angegriffen und versenkt. Für Australien, das das britische motherland im Krieg gegen Deutschland unterstützte, waren die Operationen der Emden ein Ärgernis. Am 9. November 1914 stießen das deutsche Kriegsschiff und die »Sydney«, ein leichter Kreuzer der Königlich Australischen Marine, vor den Kokosinseln aufeinander. Wegen der besseren Bewaffnung hatte die »Emden« keine Chance, und Kapitän Karl von Müller ließ das Schiff auf ein Riff laufen, bevor es zu sinken drohte.

Die australische Marine war wie das Land jung. Australien war erst 1907 unabhängig geworden, die Royal Australian Navy bestand seit 1911. Die Eliminierung der »Emden« war der erste erfolgreiche Einsatz der Marine und wurde/wird dem entsprechend als historischer Sieg gefeiert. In der Pressemitteilung zur Briefmarkenausgabe Cocos (Keeling) Islands Sydney-Emden engagement vom Oktober 2014 ist es so forumuliert:

»We trust these stamps will remind all Australians of the significance of this important wartime engagement which took place in the waters of what is now one of Australia’s external territories.«

(»Wir glauben, dass diese Marken alle Australier an die Bedeutung dieses wichtigen Kriegsgefechts erinnern wird, das in den Gewässern stattfand, die jetzt eines von Australiens Außengebieten sind.«)

Neben dem Stolz über Australia’s first victory at sea schwingt hier etwas anderes mit: Der Besitz von Überseegebieten  hebt offenbar das australische Nationalgefühl. Die Java vorgelagerten Kokosinseln, die im britischen Sprachraum wegen ihres angeblichen Entdeckers William Keeling (* 1578; † 1620) auch Keeling Islands genannt werden, wurden 1955 von Australien in Besitz genommen (aber das nur am Rande).

Australia-WWI
Der Sondermarken-Satz zum Ersten Weltkrieg

Was in der Pressemitteilung der australischen Postverwaltung  auffällt, ist das völlige Fehlen jeglichen Worts der Mahnung und des Hinweises auf den Schrecken des Krieges. Noch deutlicher wird das distanzlose bis verklärende Verhältnis bei der Ausgabe zum Ersten Weltkrieg. Eine Marke trägt den Titel »Our Boys« (»Unsere Jungs«), eine andere »Australians in Action« (»Australier im Einsatz«). Auf der Marke »War Declared!« (»Den Krieg erklärt«) ist eine Reihe von erwartungsvoll dreinblickenden, teilweise gut gelaunten Männern zu sehen, die sich für den Kriegsdienst erfassen lassen. Jede dieser fünf Briefmarken erzählt laut Dr. Brendan Nelson, dem Direktor des Australian War Memorials,  »a story that we can learn from and be proud of« (»eine Geschichte, von der wir lernen und auf die wir stolz sein können«). Denn man muss wissen: Der Erste Weltkrieg war für Australien »a conflict which helped to define our country« (»ein Konflikt, der half, unser Land zu definieren«)  (die Zitate sind der Pressemitteilung der australischen Post entnommen)

An die Bildung des nach Europa in den Krieg entsandten Australian and New Zealand Army Corps (ANZAC) erinnert die australische Post mit einem Numisbrief (Sonderumschlag mit Münze). Bei seinem ersten Einsatz in der Schlacht von Gallipoli in der Türkei fielen 8700 australische Soldaten, 19 400 wurden verwundet, für die Post sind es nur »those who made the ultimate sacrifice« (»jene, die das letzte Opfer brachten«).  Auf dem Umschlag ist außer der »Our Boys«-Marke ein Zitat von Sir George Reid, dem damaligen australischen Hochkommissar in London, abgedruckt:

»… I rejoice to think that you are under officers who will be true guardians of you throughout the length of this great venture.«

(»Ich bin hocherfreut zu wissen, dass Sie Offizieren unterstehen, die während der ganze Länge des Unternehmens Ihre treuen Hüter sein werden.«)

Die Zitatauswahl ist angesichts der Verluste zynisch.

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Ein Kommentar zu „Kriegsverklärung auf Briefmarken

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